Das ist tough, einen Bachelor in 1 Jahr zu absolvieren, nicht wahr? Zumal die meisten Studierenden an einer
Präsenz-Uni oder -Hochschule eingeschrieben sind und nicht den
"Luxus" mehrere Studienstandorte haben.
Es geht nicht darum, dass Sie sich
wegstressen. Ihr Lebensweg hin zum Beruf ist in den letzten 5-7
Jahren dramatisch verkürzt worden. Das ehemals neunjährige Abitur
ist einem achtjährigen gewichen. Im Idealfall können Sie jetzt ein
Jahr früher studieren gehen als damals. Und seit dem Wegfall der
Wehrpflicht hält Sie nicht einmal mehr die Bundeswehr oder der
Zivildienst vom sofortigen Studium ab. Sie können mit 17, 18 Jahren
an die Hochschule gehen und bereits mit 20 oder 21 Jahren Ihren
Bachelor in der Tasche haben. In dem Alter fing ich erst an zu
studieren! 13 Jahre Schule und 20 Monate Zivildienst haben seinerzeit
schlichtweg vereitelt, früher anfangen zu können.
Dafür, dass Sie früher ins
Arbeitsleben einsteigen können, dürfen Sie auch länger arbeiten.
Das klingt zynisch, aber es ist mehr als wahrscheinlich, dass die
Überalterung unserer Gesellschaft es notwendig macht, Ihren Ausstieg
ins Rentenleben nach "hinten" zu verlagern. Mit 20
Bachelor, 50 Jahre später in Rente!
Der Wirtschaft kann das zwar recht
sein, aber fühlen Sie sich in Ihren jungen Jahren nicht überfordert
mit den vielen Entscheidungen, die Sie treffen müssen? Sie sollen
das "richtige" Studium wählen (was auch immer das sein
mag), die "richtigen" Kurse belegen, kurz darauf die
"richtige" Vertiefungsrichtung studieren, den "richtigen"
Praktikumsplatz finden, das "richtige" Thema für die
Bacherlor-Thesis bearbeiten und und und. Sie können "richtig"
auch durch "passend" ersetzen. Es ist anstrengend,
Entscheidungen fällen zu müssen, für die man vielleicht etwas
Lebenserfahrung gebrauchen könnte. Und dann noch sollen Sie Ihr
Studium in einem Jahr absolvieren?
Es geht mir nicht darum, Sie zu einem
überhöhten Studiertempo anzuheizen, nur um des Tempos willen. Das
Beispiel der Turbo-Studenten zeigt Ihnen, dass man vieles anders tun
kann, dass es Alternativen gibt. Dass es Wege abseits ausgetretener
Pfade gibt, und dass es sehr viel Spaß aber auch Arbeit machen kann,
auf Abkürzungen schneller zum Ziel zu gelangen.
Davon abgesehen: Finden Sie Ihr Tempo.
Wenn es Ihnen die finanzielle Lage erlaubt: Lassen Sie sich Zeit,
lassen Sie Ihre Persönlichkeit reifen, machen Sie Ihre
Lebenserfahrungen. Ich denke, Sie sollten nur auf eines achten:
Machen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen, nicht durch ein
Pseudo-Studieren kaputt!
Es ist leicht, sich vorzumachen, man
habe hart studiert, wenn man 16 Stunden am Tag vor Bücher- und
Papierbergen verbracht hat. Das ist Unsinn und uneffektiv. Das ist
verschenkte Lebenszeit und Pseudo-Studieren. Es ist unergiebig, den
ganzen Tag aus lauter Flucht vor Prüfungsvorbereitungen im Internet
zu surfen und sich auf Facebook auszutauschen. Das ist ein Tag, den
man genauso gut mit körperlichem Ausgleich, mit Freunden oder im
Schwimmbad verbringen könnte - oder mit Geld verdienen.
Pseudo-Studieren übt Sie bestenfalls darin, Ihr schlechtes Gewissen
zu ertragen, dass Sie den Tag eigentlich mit Studieren verbringen
wollten, weshalb Sie sich tapfer in der Nähe Ihrer Bücher und des
Schreibtisches aufhielten - aber dann doch kaum etwas bis nichts
für das Studium getan haben.
Dieser Punkt wird uns noch vielfach
beschäftigen: Wie vermeiden Sie ein Pseudo-Studieren? Wie gehen Sie
pfleglich mit sich um, um sich nicht unnötig der Qual eines
schlechten Gewissens auszusetzen?
