Mittwoch, 11. April 2012

Pseudo-Studieren: Nein danke!

Das ist tough, einen Bachelor in 1 Jahr zu absolvieren, nicht wahr? Zumal die meisten Studierenden an einer Präsenz-Uni oder -Hochschule eingeschrieben sind und nicht den "Luxus" mehrere Studienstandorte haben.

Es geht nicht darum, dass Sie sich wegstressen. Ihr Lebensweg hin zum Beruf ist in den letzten 5-7 Jahren dramatisch verkürzt worden. Das ehemals neunjährige Abitur ist einem achtjährigen gewichen. Im Idealfall können Sie jetzt ein Jahr früher studieren gehen als damals. Und seit dem Wegfall der Wehrpflicht hält Sie nicht einmal mehr die Bundeswehr oder der Zivildienst vom sofortigen Studium ab. Sie können mit 17, 18 Jahren an die Hochschule gehen und bereits mit 20 oder 21 Jahren Ihren Bachelor in der Tasche haben. In dem Alter fing ich erst an zu studieren! 13 Jahre Schule und 20 Monate Zivildienst haben seinerzeit schlichtweg vereitelt, früher anfangen zu können.

Dafür, dass Sie früher ins Arbeitsleben einsteigen können, dürfen Sie auch länger arbeiten. Das klingt zynisch, aber es ist mehr als wahrscheinlich, dass die Überalterung unserer Gesellschaft es notwendig macht, Ihren Ausstieg ins Rentenleben nach "hinten" zu verlagern. Mit 20 Bachelor, 50 Jahre später in Rente!

Der Wirtschaft kann das zwar recht sein, aber fühlen Sie sich in Ihren jungen Jahren nicht überfordert mit den vielen Entscheidungen, die Sie treffen müssen? Sie sollen das "richtige" Studium wählen (was auch immer das sein mag), die "richtigen" Kurse belegen, kurz darauf die "richtige" Vertiefungsrichtung studieren, den "richtigen" Praktikumsplatz finden, das "richtige" Thema für die Bacherlor-Thesis bearbeiten und und und. Sie können "richtig" auch durch "passend" ersetzen. Es ist anstrengend, Entscheidungen fällen zu müssen, für die man vielleicht etwas Lebenserfahrung gebrauchen könnte. Und dann noch sollen Sie Ihr Studium in einem Jahr absolvieren?

Es geht mir nicht darum, Sie zu einem überhöhten Studiertempo anzuheizen, nur um des Tempos willen. Das Beispiel der Turbo-Studenten zeigt Ihnen, dass man vieles anders tun kann, dass es Alternativen gibt. Dass es Wege abseits ausgetretener Pfade gibt, und dass es sehr viel Spaß aber auch Arbeit machen kann, auf Abkürzungen schneller zum Ziel zu gelangen.

Davon abgesehen: Finden Sie Ihr Tempo. Wenn es Ihnen die finanzielle Lage erlaubt: Lassen Sie sich Zeit, lassen Sie Ihre Persönlichkeit reifen, machen Sie Ihre Lebenserfahrungen. Ich denke, Sie sollten nur auf eines achten: Machen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen, nicht durch ein Pseudo-Studieren kaputt!

Es ist leicht, sich vorzumachen, man habe hart studiert, wenn man 16 Stunden am Tag vor Bücher- und Papierbergen verbracht hat. Das ist Unsinn und uneffektiv. Das ist verschenkte Lebenszeit und Pseudo-Studieren. Es ist unergiebig, den ganzen Tag aus lauter Flucht vor Prüfungsvorbereitungen im Internet zu surfen und sich auf Facebook auszutauschen. Das ist ein Tag, den man genauso gut mit körperlichem Ausgleich, mit Freunden oder im Schwimmbad verbringen könnte - oder mit Geld verdienen. Pseudo-Studieren übt Sie bestenfalls darin, Ihr schlechtes Gewissen zu ertragen, dass Sie den Tag eigentlich mit Studieren verbringen wollten, weshalb Sie sich tapfer in der Nähe Ihrer Bücher und des Schreibtisches aufhielten - aber dann doch kaum etwas bis nichts für das Studium getan haben.

Dieser Punkt wird uns noch vielfach beschäftigen: Wie vermeiden Sie ein Pseudo-Studieren? Wie gehen Sie pfleglich mit sich um, um sich nicht unnötig der Qual eines schlechten Gewissens auszusetzen?

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