Montag, 16. Februar 2015

Was würde Astronaut Gerst zu Deinem Motivationsloch sagen?

Nach 166 Tagen im All landet Astronaut Alexander Gerst am 10. November 2014 wieder sicher auf seinem Heimatplaneten. Tags darauf macht eine weitere Meldung um Gerst die Runde: Der Mann ist topfit und läuft umher, als sei er den Bedingungen der Schwerelosigkeit nie ausgesetzt gewesen. Andere Astronauten erholen sich über Wochen und Monate von dem Ausflug. Herz und Kreislauf, Muskeln und Knochen werden in der Schwerelosigkeit wenig gefordert, die körperliche Leistungsfähigkeit nimmt ab. In der Regel müssen Astronauten nach ihrer Rückkehr getragen werden, so schwächlich sind sie auf den Beinen.

Ist Gerst ein Naturtalent, ein geborener All-Wanderer? Er scheint robust veranlagt zu sein, aber erklärt das seine Fitness?

Wie so immer sollte man vorsichtig sein, wenn man Menschen angeborene Fähigkeiten und Talent zuschreibt. Mit solchen Unterstellungen beraubt man sich einem Verständnis des Erfolgs. An Superman kann man sich ergötzen, aber sich an ihm messen, ihn gar als Vorbild nehmen? Unmöglich! Auf die Superkräfte eines geborenen Kryptoniers zu hoffen, das ist zwecklos.

Da Gerst kein Superhuman ist, erklärt sich seine Physis auf ganz gewöhnliche Weise. So konstatiert Prof. Gerzer, Leiter des Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin, nüchtern, dass Gerst "sich wahrscheinlich sehr an sein Fitness-Training auf der Raumstation gehalten hat". Und weiter: "Er hat wahrscheinlich toll trainiert und gehört offensichtlich auch zu jenen, denen nicht leicht schlecht wird." [Quelle]

Gerzer ist ganz der Wissenschaftler, der sich ein "wahrscheinlich" so kurz nach der Landung nicht verkneifen kann. Natürlich kennt er den Trainingsplan und den -eifer seines Schützlings. Es scheint ihn nur selber zu überraschen, wie sehr sich das konsequente Training ausgezahlt hat.

Alexander Gerst wird sich im All immer wieder gefragt haben, ob er heute seine Training wirklich durchziehen soll. Vielleicht war er müde, vielleicht war ihm übel, vielleicht war er gestresst, vielleicht hatte er Sehnsucht, vielleicht war es ihm zu eng, vielleicht war er einfach nicht motiviert. Ich kann mir gut vorstellen, wie er solchen Gedanken nicht lange nachging, sich die Gurte für das Laufband auf die Schultern legte und loslief. "Just do it!" Nicht mehr und nicht weniger.

Der Psychologe Timothy Pychyl nennt es "Just get started" -- es ist der Leitsatz seiner Forschung über Aufschiebeverhalten (Prokrastination). Auf deutsch gibt es ein anderes Buch von dem Motivationspsychologen Michael V. Pantalon mit dem ebenfalls schönen Spruch "Nicht warten -- starten!"

„Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt.“ Das gilt für Astronauten genauso wie für Studenten. Just do it!

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