"Was ist los?", frage ich.
"Ich glaube, es ist meine Faulheit", sagt die Studentin, "Ich bin zu faul. Ich tue nichts. Ich möchte mehr tun, aber ich bin wohl einfach zu faul."
Jetzt wird es interessant.
"Faulheit lasse ich nicht gelten. Mit Faulheit kann ich nichts anfangen", sage ich. "Ich glaube nicht, dass Sie faul sind. Eher: Was hält Sie davon ab, Ihren Wunsch umzusetzen, mehr für das Studium zu tun."
Sie geht arbeiten. Logisch, dann hat man weniger Zeit für das Studium. Dann ist sie aber nicht faul, sie macht eben nur etwas anderes.
"Noch was?" Ich bohre.
"Wollen Ihre Eltern, dass Sie studieren, Sie selber wollen das aber nicht?" Wäre eine gute Erklärung, warum es nicht rund läuft. Sie verneint. Sie hat sich nach der Schule auf das Studium gefreut.
"Ist es das Internet? Surfen Sie zuviel, sind Sie andauern auf Facebook unterwegs?" Was bin ich froh, ohne Internet aufgewachsen zu sein! Nein, das ist nicht das Problem, sagt sie.
"Was ist es dann? Warum setzen Sie sich nicht an den Schreibtisch und lernen einfach?"
"Ich glaube, ich möchte gerne in einer Lerngruppe lernen!", sagt sie.
"Gut, prima!", sage ich. "Wie kommen Sie an eine Lerngruppe?"
Schulterzucken. Wir fangen an gemeinsam zu überlegen. Hier ein paar Ideen, die wir gefunden haben:
- Regelmäßig in eine Vorlesung oder Übung gehen, sich neben Leute setzen und sie irgendwann ansprechen: "Ich habe das nicht verstanden. Kannst Du mir das erklären?" -- Ein Startpunkt ist gesetzt. Vielleicht wird daraus eine Lernpartnerschaft.
- Über Facebook nach Lerngemeinschaften suchen.
- Zur Fachschaft gehen, dort um Hilfe fragen bei der Suche nach einer Lerngruppe. In der Fachschaft finden sich meist bestens vernetzte Studierende, die gerne helfen.
- Und wenn wir schon dabei sind: Selber in der Fachschaft aktiv werden. Dann lassen sich noch bessere Bande schmieden und Gesinnungsgenoss(inn)en finden.
- Einen Aushang machen: "Suche Nachhilfe in Fach Sowieso. Dafür gibt es bei mir leckere Pizza." Warum nicht? Man kann Nachhilfe bezahlen, sicher. Aber es passt auch sehr gut zum studentischen Leben, Zeit miteinander zu teilen, gemeinsam ins Kino zu gehen usw. Es kann der Anfang einer Freundschaft werden.
- Beim Professor, bei der Professorin, bei Assistenten fragen, ob sie einem Studierende empfehlen könnte. Man bräuchte Hilfe und eine Lerngruppe.
- Frauen sollten sich der Netzwerke bedienen, die die Hochschulen für Frauen einrichten und anbieten. Da hilft man sich gegenseitig.
Was war der Ausgangpunkt? Faulheit! Und was haben wir jetzt? Eine Liste an Ideen, die helfen, eine Lerngruppe zu finden. Ein vager Begriff ist zu etwas Konkretem geworden. Eine Lerngruppe zu finden, ist ein lösbares Problem. Mit den richtigen Leuten ist das Lernen nur halb so schwer. Und Faulheit ist dann kein Thema mehr.
Faulheit gibt es nicht. Aber herauszufinden, was einen vom Lernen abhält, das hilft konkrete Ideen zu entwickeln, wie man aus der Lähmung, etwas zu tun, herauskommen kann.
